Ein Brief, nur scheinbar in die Schweiz

Auf den ersten Blick denkt man, hier liegt ein nachgesandter Brief in die Schweiz vor. Dieser Eindruck entsteht durch die Platzierung der 10 Pf. "Krone-Adler"-Marke. Die befindet sich dort, wo sie sich meistens befindet und nach Postverordnung (von 1879 Abs. II. " die Freimarken sind in der oberen rechten Ecke der Anschriftseite zu kleben") auch befinden sollte.
Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch, dass es wohl etwas anders gelaufen sein muss. Der Abender in Lausanne (Schweiz) hatte seine Freimarken links oben angebracht und den Brief am Samstag den 20.7.1895 nach Basel aufgegeben. Dort kam er taggleich auch an. Bei der Zustellung stellte sich heraus, dass der Adressat bereits nach Stuttgart abgereist war . Da es sich um einen Zögling des Missionshauses handelte, wurde der Brief dort angenommen und die Nachsendeadresse ergänzt ("Abgereist nach Stuttgart, Traubenstraße Nr. 63"). Vermutlich hat man dann den Brief (aus Ersparnisgründen) am Dienstag den 23.7.1895 jemandem, der in Leopoldshöhe (Baden / Dt. Reich) zu tun hatte mitgegeben. In Leopoldfshöhe wurde er mit einer 10 Pf. Marke der "Krone-Adler"-Ausgabe
portogerecht freigemacht und um 9-10 Uhr vormittags aufgegeben. Aufgrund der besonderen geographischen Lage von Basel (Dreiländereck Frankreich/Schweiz/Dt. Reich) war dies durch einen Fußmarsch von ca. 1 Std. 10 min. zu bewerkstelligen (die Gesamtstrecke beträgt 5,6 km, davon 2,6 km auf badischem Boden). Am 24.7.1895 erreiche der Brief den Adressaten in Stuttgart.
(Sammlung Armin Städler)